Kirsch-Aktion

Weiterverarbeitet, nämlich entsteint und zu verschiedenen Marmeladevarianten veredelt, wurde das wertvolle Geschenk der Natur anschließend im Gemeinschaftsbereich des „Brückenhauses“. Während draußen monsunähnlicher Regen auf Tamm niederprasselte, tauschten sich die Marmeladeköchinnen und -köche über die unterschiedlichsten Obstsorten in den Herkunftsländern aus. Mangos, bei uns eher eine exotische und teure Frucht, wachsen in Gambia oder Nigeria zuhauf. Äpfel und Kirschen dagegen müssen in den afrikanischen Ländern aus Europa importiert werden. Ganz nebenbei lernten die Geflüchteten neue Worte wie „Kirschkernentsteiner“ und „Gelierprobe“ und durften natürlich ihre leckeren Kreationen testen, die mal mit Walnüssen und Zimt, mal mit Minze und Lavendel verfeinert wurden.

Etwas trockener ging es währenddessen auf den umlaufenden Laubengängen des Brückenhauses zu: Hier fand Einzelnachhilfe statt und es wurde kompliziertes Behördendeutsch, das nach wie vor von den meisten Bewohnern im Brückenhaus nicht verstanden wird, jedoch zum Standard in den amtlichen Briefen an die Geflüchteten gehört, erklärt und in „einfache Sprache“ übersetzt. Auch was ein „Neubürgerempfang“ ist, zu dem die Gemeinde Tamm die BewohnerInnen eingeladen hat, konnte geklärt werden. Es zeigte sich wieder einmal, dass Gewohnheiten und Rituale, die für uns selbstverständlich und selbsterklärend sind, für Neuzugewanderte unverständlich und fremd sind.

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