Auf dem Kulturkarussell

Im alten Rathaus trafen sich am vergangenen Samstag Flüchtlinge und TafF-Helfer zu ihrem ersten Workshop „Kulturkarussell“  in der Reihe  „Wie funktioniert eigentlich Deutschland?“

Wie erleben wir die Kultur des jeweils anderen Landes? Was wird uns bereits in früher Kindheit an Verhaltensweisen eingeprägt? Wie leben wir, wie erleben wir die jeweils kulturellen Unterschiede?

Unter der Anleitung der Kommunikationstrainerin, Cleo Becker aus Ludwigsburg, erarbeitete und diskutierte die Gruppe die unterschiedlichsten Ansichten aber auch viele Gemeinsamkeiten. Gibt man sich die Hand zur Begrüßung? Ist es unhöflich, sich in die Augen zu schauen? Wie sieht es mit der Gleichstellung der Frau aus? Dass es durchaus auch in den einzelnen Herkunftsländer der Flüchtlinge gegensätzliche Auffassungen gibt, erlebte die Gruppe beim Thema  Eheschließung bzw. Ehestiftung. Sie durfte erfahren, dass beide Möglichkeiten friedlich nebeneinander praktiziert werden: Hier die verabredete, durch die Familien abgesprochene Zusammenführung zweier junger Menschen und dort die „moderne“ Art der Partnerschaft: Mann und Frau verlieben sich und wenn sie wollen, wird geheiratet. Ein wahres Kulturkarussell eben – auf dem es sich lohnte mitzufahren.

Grundgesetz, Gewaltenteilung, Gleichberechtigung Dritter Workshop zum Thema „wie funktioniert Deutschland?“

Für uns ist es sie Selbstverständlichkeit, Demokratie. Also Wahlrecht, Parteienvielfalt, den unterschiedlichen Parlamenten in Land, Bund und natürlich den Gemeinden. Doch für unsere Flüchtlinge sind genau diese Dinge oft absolutes Neuland. Kommen doch viele von ihnen aus Diktaturen bzw. feudalistisch regierten Ländern.

Deshalb war die Aufmerksamkeit groß im Rathaus Tamm, wo der dritte Workshop der Reihe „wie funktioniert Deutschland?“ stattfand. Und es gab viele Fragen an die Referenten, Herrn Fröhlich von der CDU und Herrn Jüttner, der die SPD vertrat. Gewaltenteilung, Grundrechte, Grundgesetz. Fundamentales Wissen für die jungen Asylsuchenden. Und wieder ein Schritt zur Integration in Deutschland.

Erster Schultag für die Kinder der Flüchtlinge

Tradition trifft Neubeginn

Flüchtlinge bewirten das Backhäusle bei der Kirbe

Nicht nur das Wetter strahlte in Tamm. Auch die jungen Flüchtlinge, die sich seit Tagen auf die Bewirtung des Backhäusles - anlässlich der Tammer Kirbe - vorbereitet hatten, sprühten vor Lebensfreude.

Doch der Reihe nach: Zuerst kam von der Organisatorin der Tammer Kirbe, Karin Vogt, das Angebot, dass sich TafF zusammen mit den Flüchtlingen an diesem traditionellen Fest in Tamm beteiligen darf. Vom Backhäusle aus, sollen die Gäste mit Spezialitäten aus den Herkunftsländern bewirtet werden.  Die jungen Flüchtlinge sagten begeistert  zu und die Vorbereitungen kamen in Schwung. Schnell stand fest, dass syrisches Fladenbrot und Falafel gebacken werden und „darum herum“ Brotaufstriche, also Hummus, „Babba Ghanoush“ (Auberginenmus) und pakistanischer Milchreis als Dessert gereicht werden sollen.  Tee mit Minze rundete das Angebot ab. Mit einem „Profibäcker“ unter den jungen Flüchtlingen und der erfahrenen Backhäusle-Fachfrau, Maria Lecciso, konnte nichts mehr schief gehen.  Das Ergebnis überzeugte wohl alle Tammer Kirbebesucher, die sich - von exotischen Düften angelockt - den „1001 Nacht- Teller“ und den „Ali Baba Tee“ schmecken ließen.

Obendrauf gab es bei der Kirbe noch eine andere Premiere: Mazen, ein syrischer Profigitarrist unter den Flüchtlingen, hatte seinen ersten Soloauftritt innerhalb des Konzertes der Musikgemeinschaft Tamm Hohenstange e.V. in - und als Zugabe eine begeistert beklatschte Serenade - vor der Kelter. Gänsehautfeeling pur!

Morgens um zehn in der Hölderlinstrasse

Im Gemeinschaftsraum der jungen Asylsuchenden ist es zu dieser Zeit so still, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte. Eine Gruppe Flüchtlinge schart sich um Ulla Fauth-Mayer, die hier täglich die Grundlagen der deutschen Sprache vermittelt.Doch nicht nur das: Hier werden Alltagsprobleme angesprochen, Behördengänge ausgemacht oder der Tarifdschungel der VVS erklärt.

Aber es wird auch über erschütternde Einzelschicksale gesprochen. Da ist Ali, 30Jahre alt. Aus Pakistan. Bis zu seiner Flucht arbeitet er, der fließend englisch spricht,  als Angestellter in einer Bank. Sechs jüngere Geschwister und seine Eltern lässt Ali zurück. Und macht sich auf Veranlassung seines Vaters alleine auf den Weg in Richtung Gerechtigkeit und Freiheit. Nach den Gründen für seine Flucht gefragt, berichtet er von Polizeiwillkür, seinem Leben im Untergrund und dass die Behörden seinen kleinen, 14jährigen Bruder und später seinen Vater ins Gefängnis sperrten um an die Adresse seines Unterschlupfes zu gelangen. Sein monatelanger Fluchtweg selbst  ist gepflastert von Hunger, Gewalt und Todesangst. Tagelang wird er von Schleusern im Laderaum eines Pritschenwagens eingesperrt.

Doch nun ist Ali in Deutschland. Das Land, von dem sein Vater sagt, dass es hier eine gerechte Justiz und Freiheit gibt. Und wo er jetzt, morgens um 10 Uhr die deutsche Sprache büffelt…

Es wird bald kalt

Eine Einmalaktion startete TafF für die neuangekommenen Flüchtlinge in Tamm: Im katholischen Gemeindehaus St.Petrus, haben fleißige Helfer gespendete Winterkleider nach Größen und Art sortiert und dann die jungen Flüchtlinge eingeladen, dort ihre Wintergarderobe zusammenzustellen.

Listen wurden ausgehängt, wo sich die Jungs eintragen konnten. So hatten auch die eher zurückhaltenden jungen Männer die Gelegenheit, sich mit warmer Kleidung einzudecken.