Corona Impfung

Doch es war – so die Aussage der beteiligten hauptamtlichen Helfer/innen – die bisher erfolgreichste Impfaktion für Geflüchtete im Landkreis. Und das bestätigt unser gemeinsames Vorgehen: Die Menschen werden dort geimpft, wo auch andere Bürgerimpfaktionen stattfinden: Im Bürgersaal. Zur Aufklärung kommen Dolmetscher/innen ihres Vertrauens dazu, die oft aus den eigenen Reihen stammen. So dass es am Samstag, als die Aufklärungsgespräche stattfanden, fast ein wenig wie bei einem Klassentreffen aussah: Ehemalig in Tamm lebende Geflüchtete sahen sich in einer ganz anderen Funktion als noch vor fünf Jahren wieder – als Helfer und nicht als Hilfssuchende. Und sie hatten trotz des ernsten Hintergrundes der Aktion, viel Freude daran, sich – auf Deutsch – auszutauschen und alte Freundschaften wieder aufleben zu lassen…

Da sich auch viele Ehrenamtliche von TafF am Sonntag, gemeinsam mit Mitarbeiter/innen des Bauhofs und anderen Angestellten der Gemeinde Tamm, impfen ließen, war die Angst so mancher ausgeräumt, einen minderwertigen Impfstoff zu erhalten.

Wir von TafF bedanken uns bei allen Beteiligten. Bei der Gemeindeverwaltung Tamm mit Herrn Bürgermeister Bernhard an der Spitze, bei Franziska Voigt, Integrations- und Flüchtlingsbeauftragte, beim Team des Roten Kreuzes OV Tamm, bei den einfühlenden Impfärztinnen, bei den vielen ehrenamtlichen Dolmetscher/innen, Impfpatinnen und –Impfpaten und den impfwilligen Geflüchteten für ihr Vertrauen!

Projekt „Lerninseln“

Außerdem wünschen wir uns  WLAN fähige, gebrauchte digitale Endgeräte, die von unseren Spezialisten aufgerüstet werden können (mit Windows 10, Open office etc.) Vielen Dank schon heute für Ihre Hilfe.

 

Corona - Impfungen

Natürlich schwebt über vielen der Geflüchteten das Damoklesschwert einer plötzlichen Abschiebung. Denn wessen Asylantrag nicht angenommen oder wessen Widerspruch gegen diesen Bescheid vor dem Verwaltungsgericht nicht zu seinen Gunsten entschieden wird, muss fast täglich damit rechnen, wieder aus Deutschland ausreisen zu müssen. Besonders davon betroffen sind die allein hier angekommenen, männlichen Geflüchteten, die ohne feste Arbeitsstelle oder Beschäftigungs- oder Ausbildungsduldung sind. Auch wenn sie täglich einer Arbeit nachgehen: Die Chancen, sinken, solange diese Arbeit nicht mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag belegt werden kann. Und nun kommt also noch die Angst vor einer Impfung gegen das Virus dazu. Neben vielen völlig unbegründeten Fake News, beispielsweise dass eine Impfung gegen das Coronavirus zwangsweise zur Unfruchtbarkeit führt, wird neuerdings behauptet, dass geimpfte Geflüchtete sofort nach ihrer Impfung abgeschoben werden. Wie sollen wir diesen Gerüchten begegnen? Dies geht nur mit viel Vertrauen. Vertrauen in uns, die ehrenamtlichen Helfer/innen als auch in die hauptamtlichen Sozialarbeiter/innen. Sachliche und fachliche Aufklärung ist hier dringend angebracht. Mit Dolmetschern und natürlich viel Geduld. Eine Impfung ist freiwillig. Und so hoffen wir, dass die Geflüchteten das Impfangebot annehmen werden. Denn in der Enge der Unterkünfte ist die Gefahr einer Infektion natürlich nach wie vor sehr hoch. Nichts wäre schlimmer für alle Beteiligten, wenn ein Ausbruch der Krankheit im Brückenhaus durch den Glauben an Verschwörungstheorien und andere Gerüchte begünstigt werden würde.

Fasten in Zeiten von Corona

Einen kleinen, süßen Ostergruß haben wir von TafF zumindest den in Tamm lebenden Kindern von Geflüchteten zukommen lassen können.

Doch nun befinden sich gläubige Muslime schon in ihrer besonderen Fastenzeit: Für sie hat am vergangenen Dienstag der Fastenmonat Ramadan begonnen. Die Zeit des Ramadan soll historisch an den Tag erinnern, an dem der Erzengel Gabriel dem Propheten Mohammed den Koran offenbarte. Sie gilt als eine besonders heilige Zeit. Der Islam besagt, dass der Ramadan der Monat ist, in dem Gott zu den Menschen spricht. Die Gläubigen sollen in dieser Zeit die Möglichkeit haben, sich intensiv mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen.

Das Fasten im Ramadan gehört zu den sogenannten fünf Säulen des Islam und ist somit eine der wichtigsten Regeln des islamischen Glaubens. Ziel des Fastens ist es, Körper und Seele zu reinigen. Besonders wichtig während diesem Monat die Gemeinschaft und die Solidarität mit den Schwachen und Armen.

Der Fastenmonat fällt jedes Jahr auf einen anderen Zeitraum von 29 oder 30 Tagen und endet mit dem Fastenbrechen, auch Zuckerfest genannt.

Der Islam richtet sich nach dem Mondkalender und nicht nach der Sonne oder dem Gregorianischen Kalender. Daher hat das islamische Festjahr 354 statt 365 Tage. Die Konsequenz: Der Ramadan verschiebt sich um zehn oder elf Tage pro Jahr nach vorn und durchläuft so allmählich alle Jahreszeiten. Das Datum des Ostersonntags verändert sich übrigens ebenfalls jährlich: Er findet immer am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond statt.

An Ramadan gelten besondere Essenszeiten. Es darf von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder gegessen, geraucht noch getrunken werden. Auch der Genuss von  Alkohol ist verboten. Kleine Kinder, Schwangere, Alte und Kranke oder Reisende sind übrigens von diesen Regeln ausgenommen. Nach Sonnenuntergang wird dann normalerweise im Kreis der Familie oder Freunde gegessen. Auch in diesem Jahr bedeutet das wieder für viele eine Umstellung, da Corona-bedingt Treffen nur beschränkt erlaubt sind.

Das Ende des Fastenmonat Ramadan ist für gläubige Muslime ein sehr wichtiger Festtag. Das sogenannte Zuckerfest dauert je nach Land und Region normalerweise bis zu drei Tage und wird in diesem Jahr vom 13. bis 15.Mai gefeiert. Mit dem Zuckerfest danken Muslime Allah dafür, dass sie die Kraft für das Fasten und alle mit dem Ramadan verbundenen religiösen Aufgaben gefunden haben. Außerdem bitten sie Allah, ihre Gebete und ihre Mühe im Ramadan anzunehmen.

Wir ehrenamtlichen Helfer/innen wünschen allen Muslimas und Muslime in Tamm ein gesegnetes Ramadan bzw.: „Ramadan Kareem“ oder „Ramadan Mubarak“.

 

Alltagsrassismus

Seit wir von TafF uns für die Geflüchteten engagieren, sind wir natürlich hellhöriger geworden, empfindlicher und oft sehr erschrocken und entsetzt. Ob in den sozialen Medien, wo den Geflüchteten im Brückenhaus empfohlen wird, „ihre Wäsche doch im Saubach zu waschen“ oder ob sie wegen ihrer dunklen Hautfarbe keine Chance erhalten, eine private Wohnung oder eine qualifizierte Arbeitsstelle zu finden.

Wir sind jedoch andererseits  froh und dankbar, dass die Mehrheit unserer Tammer Mitbürger/innen anders denken und handeln. Dass sie mit einem tollen Engagement mithelfen, dass sich unsere neuen Mitbürger/innen zunehmend bei uns wohlfühlen. Fern ihrer alten Heimat. Danke dafür. Geben Sie weiterhin Rassismus keine Chance um unsere Gesellschaft zu spalten.

Ein interessantes Interview hat übrigens Frau Vogt, die Integrationsbeauftragte der Gemeinde Tamm, mit einem jungen Gambier, der hier in Tamm lebt, geführt. Eines der erschütternden Zitate daraus möchten wir Ihnen hier nicht vorenthalten: „Leute, eine Minderheit, sie haben viel Hass in sich. Sie wollen uns nicht in ihrem Land. Sie wollen uns nicht um sich haben, reden schlecht über uns, sodass die anderen sich uns auch nicht nähern können. Wenn die anderen also hören, was diese Minderheit über uns sagt, gehen sie auch auf Abstand, nähern sich uns nicht. So sehe ich persönlich die Situation. Nicht alle, aber ein paar, versuchen die anderen zu verwirren. Und so haben die anderen keine Erfahrung mit uns. Aber was sie hören, das glauben sie auch. Das was sie im Internet lesen oder was andere Medien sagen, das glauben sie. Sie können nicht sagen, das habe ich selbst mit einem schwarzen Menschen erlebt…..“