Sport verbindet

Bunt ist auch die Zusammensetzung der teilnehmenden Läufer*innen, die die zwei Runden mit insgesamt 5 km unter ihre Laufschuhe nehmen: Frauen mit ihren Hunden, Männer mit Kinderwagen, Kinder und Jugendliche, Walker, absolute Laufanfänger und ambitionierte Profisportler. Von Anfang an mit dabei ist auch eine in Tamm lebende iranische Familie. Zumindest deren weiblichen Mitglieder. Denn während die Familienmutter mit zwei ihrer Töchter an der Verbesserung ihrer persönlichen Bestzeit arbeitet, passt ihr Mann auf den Jüngsten auf. Rollenteilung mit westeuropäischer Prägung – die auch in anderen Bereichen gilt: Die zierliche Dreißigjährige weiß genau was sie möchte. Und hat es in der kurzen Zeit ihres Aufenthalts in Deutschland geschafft, Deutsch so gut zu sprechen, dass sie sich ehrenamtlich mit Dolmetscherdiensten für andere Geflüchtete und hier hauptsächlich für afghanische Frauen, engagiert. Selbst ihre berufliche Zukunft hat die Iranerin fest im Blick. Sie will Erzieherin werden und absolviert dazu bereits Praktika in den Tammer Kindergärten. Damit sie möglichst noch in diesem Herbst mit ihrer Ausbildung beginnen kann.

Übrigens wird auch bald der Familienvater mit dem Laufen beginnen. So viel Frauenpower scheint ansteckend zu sein…

Kirsch-Aktion

Weiterverarbeitet, nämlich entsteint und zu verschiedenen Marmeladevarianten veredelt, wurde das wertvolle Geschenk der Natur anschließend im Gemeinschaftsbereich des „Brückenhauses“. Während draußen monsunähnlicher Regen auf Tamm niederprasselte, tauschten sich die Marmeladeköchinnen und -köche über die unterschiedlichsten Obstsorten in den Herkunftsländern aus. Mangos, bei uns eher eine exotische und teure Frucht, wachsen in Gambia oder Nigeria zuhauf. Äpfel und Kirschen dagegen müssen in den afrikanischen Ländern aus Europa importiert werden. Ganz nebenbei lernten die Geflüchteten neue Worte wie „Kirschkernentsteiner“ und „Gelierprobe“ und durften natürlich ihre leckeren Kreationen testen, die mal mit Walnüssen und Zimt, mal mit Minze und Lavendel verfeinert wurden.

Etwas trockener ging es währenddessen auf den umlaufenden Laubengängen des Brückenhauses zu: Hier fand Einzelnachhilfe statt und es wurde kompliziertes Behördendeutsch, das nach wie vor von den meisten Bewohnern im Brückenhaus nicht verstanden wird, jedoch zum Standard in den amtlichen Briefen an die Geflüchteten gehört, erklärt und in „einfache Sprache“ übersetzt. Auch was ein „Neubürgerempfang“ ist, zu dem die Gemeinde Tamm die BewohnerInnen eingeladen hat, konnte geklärt werden. Es zeigte sich wieder einmal, dass Gewohnheiten und Rituale, die für uns selbstverständlich und selbsterklärend sind, für Neuzugewanderte unverständlich und fremd sind.

Das Mittelmeer als Todesfalle - Ökumenische Aktion zur Seenotrettung

Allein im Jahr 2018 sank jedes 15te Flüchtlingsboot mit insgesamt 2275 ertrunkenen Menschen an Bord. Schwangere, Kinder, Männer – Flüchtlinge, die aus den ärmsten Ländern Afrikas flohen und zuletzt den chaotischen Lagern in Libyen entkommen wollten. Von kriminellen Schleppern um ihr letztes Hab und Gut gebracht, hofften sie in Europa endlich Hilfe zu erfahren. Die internationale Staatengemeinschaft schaut dem Sterben im Mittelmeer tatenlos zu und kriminalisiert auch noch die Rettungsorganisationen, die den Menschen helfen wollen.

Um an die Vorsitzende des „Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe“, Dr. Bärbel Kofler, in Berlin zu appellieren und auf diese tausendfache Unterlassung von Hilfeleistung aufmerksam zu machen, werden seit den Auftaktgottesdiensten an Pfingsten in den katholischen und evangelischen Kirchen sowie von den Arbeitskreisen Asyl des Landkreises, Postkarten an Frau Dr. Kofler verteilt. Helfen auch Sie mit Ihrer Karte und Ihrer Unterschrift, dass dem Sterben im Mittelmeer ein Ende bereitet werden kann. Vielen Dank dafür. Karten erhalten Sie sowohl von TafF als auch von Ihrer Kirchengemeinde in Tamm.

Wir brauchen folgendes:

Und nach wie vor sind wir auf der Suche nach einem trockenen Raum, wo wir die in einer Garage abgestellten Räder, unter Mitwirkung der Geflüchteten, pflegen bzw. reparieren können. Wenn Sie uns hier helfen können, dann wenden Sie sich gerne an Rainer Doster, vielen von Ihnen als Leiter des Repaircafés bekannt.
E-Mail:   familie.doster@t-online.de

 

Kräuter-Projekt mit Petra Nicklas

Unter der Anleitung von Petra Nicklas, mit der wir bereits einige Workshops zum Thema Naturkosmetik veranstaltet haben, wurde am vergangenen „Frauensamstag“ speziell über diese Pflanzen geredet und was man damit einfach und kostengünstig herstellen kann. Ob Bärlauchpesto, Sauerampfersuppe oder Salat mit Löwenzahn und Gänseblümchen, ein  entwässernder Tee mit Brennnessel oder jungem Giersch als leckerer Zugabe in der Gemüselasagne, Die Liste der Rezepte ist lang und kann mit Phantasie immer verändert werden. Auch in den Küchen der Herkunftsländer werden viele Kräuter in der Küche oder zur Herstellung von Kosmetik verwendet. Und so tauschten sich die Frauen lebhaft über die klimatischen und interkulturellen Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede aus.
Für unsere, von der trockenen Heizungsluft strapazierte Haut, bereiteten wir ein pflegendes Körperpeeling aus Meersalz, Olivenöl, getrockneten Ringelblumenblüten, Lavendel oder Rosmarin zu. Kräuter die auch bald wieder in unserem TafF-Garten wachsen werden. Vielen Dank, liebe Petra Nicklas für diesen abwechslungsreichen „Samstag-Spaziergang“ durch die erwachende Natur.